Eine wahre Katzenkurzgeschichte  Katze ani

 

Schmüseli

 

Ich sitze bequem im Polstersessel und genehmige mir ein Knuspermüesli. Plötzlich schleicht ein Kätzchen in die Stube und setzt sich schwups auf meinen Schoß. Sie rollt sich zusammen und schnurrt zufrieden, wie wenn sie bei mir Zuhause wäre. Da ich Kätzchen gerne habe lasse ich sie einen Moment und streichle sie.

Dann trug ich sie hinters Haus und versuche sie wegzuscheuchen. In den folgenden Tagen erschien das Kätzchen immer wieder, sie schmust allen unseren Familienmitgliedern dauernd um die Beine. Niemand konnte dem Charme dieses Kätzchens widerstehen. Ich schaute darauf, dass sie nie etwas bei uns zu fressen bekam und „warf“ sie immer wieder aus unserer Wohnung. Ich fragte dann meine Nachbarin ob sie wüsste wem das Kätzchen denn gehöre. Es stellte sich heraus, dass das Kätzchen den neuen Wohnungsmietern unserer Nachbarn gehörte und dass, das Kätzchen Nanumi heiße. Wir flogen alsdann in die Ferien und glaubten, dass das Katzeproblem damit beendet sei.

Zuhause blieb der jüngste Sohn.

 

Als wir von den Ferien nachhause kamen, begrüßte uns unser Sohn und mit ihm die Katze.

Es war unserem Sohn ganz einfach verleidet. Immer, wenn er am Abend nach der Arbeit nachhause kam wollte die Katze rein. Da es warm war, war die Balkontüre offen bis unser Sohn schlafen ging.

Wenn er dann ins Bett gehen wollte, komplimentierte er die Katze nach draußen. Die war aber absolut hartnäckig und kratzte an seinem Fenster und miaute herzzerreißend. Der Sohn gab nach und fortan schlief die Katze einfach bei ihm. Zum fressen ging sie immer schnell nach Hause, machte eine Tour durch die Wohnung unserer Nachbarn und landete schließlich immer wieder bei uns. Die Katze wurde unterdessen von uns allen sehr geliebt und da sie so verschmust war bekam sie den Namen Schmüseli.

Es stellte sich heraus, dass Schmüseli ganz einfach eine Katze ist die alleine sein will, das heißt sie kann es nicht ertragen, wenn eine andere Katze im gleichen Haushalt ist. Bei ihr Zuhause war aber noch ihr Bruder und ein Hund, das schien ihr nicht zu gefallen.

Ich entschloss mich mit der legitimen Katzenbesitzerin zu sprechen, denn wir haben ja alles versucht um die Katze von uns fernzuhalten. Die Katze hat uns adoptiert und nicht wir sie. Schmüsli’s Besitzerin war traurig, denn sie hatte ihre Katze gern und konnte nichts dafür, dass es ihr dort einfach nicht gefiel. Sie übergab mir die Impfkarte. Sie wusste, dass wir alle gut zu ihr schauen würden.

Fortan war Schmüseli nur noch Schmüseli und nicht mehr Nanumi. Bald war Schmüseli trächtig. Dann wurde sie vermutlich von einem Auto angefahren. Sie hinkte, blutete am Kopf und bekam Fieber. Ich ging mit ihr zu Tierarzt. Schmüseli war lange nicht gut zwäg und lag geschwächt vorwiegend auf dem Bettüberwurf unseres Sohnes.

 

Als es soweit war, dass sie die Jungen bekommen sollte, suchte sie die ganze Wohnung ab nach einem guten Plätzchen. Am Pfingstsonntag 1998, hörte ich ein leises „Fiepen“ aus dem Zimmer unseres Sohnes, die Türe war nur angelehnt. Ich ging hinein, der Sohn schlief tief und fest. Dann sah ich Schmüseli, sie lag am Fußende des Bettes und hatte bereits ein Kleines geboren und war dabei das Zweite zu bekommen. Sie war im Stress, denn das Erstgeborene kroch immer näher zum Bettrand, aber sie konnte sich nicht so recht kümmern, weil sie gerade das zweite Kätzchen bekam. Sie packte dann das Kleine im Nacken und dislozierte unter das Bett. Dort bekam sie noch das dritte Kätzchen. Währenddessen schlief unser Sohn friedlich und nichts ahnend und hörte nichts von alledem, was da auf und unter seinem Bett geschah. Schmüseli konnte sich fast nicht erholen, denn die Kleinen krochen leise miauend in allen Richtungen davon und sie musste ständig wieder aufstehen und sie im Maul zurückholen. Kurz entschlossen entleerte ich in der Wohnstube eine Wäscheschublade und zügelte die ganze Katzenschar dorthinein. Nun hatte Schmüseli Zeit um sich zu putzen und zu fressen. Schmüseli entpuppte sich als ausgesprochen gute Katzenmutter.

In dieser Zeit hatte unser Sohn einen Unfall und musste Zuhause bleiben. Er verbrachte viel Zeit damit die Kleinen zu hüten. Er nahm sie dann auf seinen Schoß. „chräbelete“ sie und sprach leise mit ihnen. Schmüseli erlaubte sich dann ab und zu wieder nach draußen zu gehen, sie blieb aber nie lange. Als die Kätzchen schon ein wenig „waggelig“ laufen konnten, fand unser Sohn diese Kätzchen müssten einen Namen bekommen. Das Weibchen war sein absoluter Liebling, er nannte fortan dieses kleine Ding „Kleopatra“, weil sie so schön war. Die Lehrtochter unserer Nachbarin wollte eines der Kätzchen für sich „reservieren“, sie gab dem Tigerkaterli den Namen „Kimo“. Ich selber fand, dass auch das dritte Kätzchen einen Namen haben sollte und nannte ihn fortan „Niki“.

 

Die Katzenschar wuchs heran, sie lernten aufs Kistli zu gehen und balgten sich in der Stube umher. Oft schauten wir diesem Treiben zu und der Fernseher wurde weniger eingeschaltet.

Dann plötzlich wurde unser Schmüseli wieder krank. Sie war noch voll am saugen der Kleinen und hatte hohes Fieber. Abermals konnte ihr der Tierarzt helfen. Langsam wurde unsere zugelaufene Katze kostbar, denn so ein Tierarztbesuch ist nicht gerade billig.

Schon sehr früh lernte die Katzenmutter ihre Jungen, die Katzentüre zu benutzen. Es stellte sich heraus warum. Sie wollte unbedingt, dass die Kleinen schnell selbständig werden und sich angewöhnen draußen zu sein.

Sonst war sie wirklich fürsorglich, sie lernte die Kleinen anschleichen, auf Bäume klettern, brachte ihnen lebende Mäuse und halt ab und zu auch einen Vogel.

Eines Nachmittags als sie mit den Jungen auf der Terrasse war, kam ihr Freund Mäxli, die Nachbarkatze dazu und wollte mit den dreien spielen. Er war wohl etwas zu grob. Auf alle Fälle bekam er vom Schmüseli ein paar kräftige Pfotenhiebe ab. Mäxli näherte sich fortan sehr vorsichtig den dreien mit freundlich aufgestellten Ohren und er wurde im laufe der nächsten Wochen ihr Freund, der auch so verschiedenes Getier anschleppte und der Katzenmutter half die Jungen zu erziehen.

Nach vierzehn Wochen wurde dann Kleopatra abgeholt. Sie lebt nun in Burgdorf und Niki lebt in Marbach.

Kimo konnte nicht bei der Familie bleiben von der es abgeholt wurde, weil er sich dort nicht wohl fühlte. Ich entschloss mich ihn zu behalten, denn unsere Katzen können ja frei wählen ob sie im oder außer Haus sein wollen.

Die Katzenmutter vermisste ihre anderen Jungen überhaupt nicht. Für sie war klar, jetzt ist es Zeit, dass alle ihre Kinder weg müssen. Kimo ließ sich nicht vertreiben und wurde ein lieber anhänglicher Kater. Die Eskapaden seine Mutter nahm er einfach so hin und lies sie in Ruhe.  Sie war immer seltener zu Hause und pendelte von der Nachbarsfamilie und uns hin und her sie fühlte sich einfach nirgends so richtig wohl.

 

Als Schmüseli etwa 1 ½  Jahre bei uns war beobachtete ich, dass sie wieder hinkte.

Sie kam nun wieder öfters in die Wohnung. Ich nahm sie auf den Arm und bemerkte, dass eines ihrer Hinterbeine geschwollen und voller Entzündungen war. Jetzt musste die Katze schon wieder zum Tierarzt, denn es stellte sich wieder hohes Fieber ein und sie magerte ab. Der Tierarzt gab ihr eine Spritze und Tabletten, sowie eine Tinktur um die Pfote darin zu baden. Das war dann immer eine Sache. Schmüseli wehrte sich wie verrückt, denn sie hat Wasser außer zum trinken, gar nicht gerne. Ich ließ jeweils lauwarmes Wasser ins Lavabo einlaufen, tröpfelte die Tinktur dazu und stellte die Hinterbeine von Schmüseli ins Wasser. Sie fauchte und lies ihre Krallen raus und wehrte sich wie verrückt. Erst etwa nach dem 3 mal merkte sie, dass ich ihr ja nur helfen wollte und dass es ihrer Pfote besser ging.

Plötzlich war Mäxli, ihr Freund von nebenan verschollen, Schmüseli zog einfach bei uns aus und nistete sich bei Nachbars ein. Dort war sie alleinige Herrscherin und kein Kimo konnte ihr dort auf den Wecker gehen. Als die Nachbarin zwei kleine Kätzchen in ihr Heim holte, passte dies unserem Schmüseli überhaupt nicht, sie schlief fortan draußen irgendwo und kam nur heim, wenn der Hunger sie plagte. Allmählich als es kälter wurde kam sie ab und zu wieder in die Wohnung und schlief auch nachts wieder Zuhause. Sie akzeptierte den Kimo endlich. Eines abends im Januar kam Schmüseli rein in die Stube, kam mit einem Satz auf meinen Schoß, legte sich hin und schnurrte zufrieden. Ich streichelte sie und konnte es kaum glauben. Von da an kam sie jeden Tag und benahm sich wieder wie als sie alleine war, nämlich verschmust und sehr anhänglich. Wir freuten uns alle, dass sie ihren „Stierengrind“ aufgegeben hat und eine richtige zufriedene Hauskatze geworden ist. Diese Katzenidylle mit Familienanschluss ist von einem Tag auf den anderen jäh unterbrochen worden. Unser Schmüseli blieb eines Tages weg und tauchte erst nach 3 Tagen wieder auf. Sie hatte aber keinen Hunger. Nun blieb sie des öfteren weg, kam immer seltener heim und wurde richtiggehend „schnäderfrässig“. (wählerisch)

 

 Ich kaufte ihr ein Halsband und beschriftete das Halsband mit „bitte nicht füttern“ und meiner Telefonnummer. Bereits, nachdem Schmüseli ca. 30 Min. von zu Hause weg war, klingelte das Telefon. Ich nannte meinen Namen, darauf war es ein paar Sekunden still und es wurde aufgelegt. Ob dies wohl die Leute oder Person war die unser Schmüseli in ihre Wohnung ließen und es fütterten? Ich wusste es nicht. Ich hoffte nur, dass diese Leute eine eigene Katze zu sich holen, denn dann würde unser Schmüseli sicher wieder zu uns zurückkehren. Es machte halt schon etwas traurig und gelegentlich auch wütend, wenn andere Leute fremde Katzen füttern, das Halsband einfach entfernen und sich beim Besitzer nicht melden.

Für uns ist unser Schmüseli eine sehr kostbare Katze, sie ist einzigartig und hat uns bis jetzt nicht nur Nerven oder angstvolle Zeiten, sondern auch viel Freude und Unterhaltung gebracht.

Nach einer Suchaktion wurde sie dann wohl nicht mehr gefüttert und blieb nun immer in der Nähe ihres Zuhauses.

Allerdings hatte sie zwei Zuhause, denn sie pendelte regelmäßig zwischen Nachbars und uns hin und her. Anscheinend fühlte sie sich so am wohlsten.

 

Nachtrag:

Nun sind schon ein paar Jahre vergangen und unser Schmüseli hat sich endlich entschieden wo ihr wirkliches Zuhause ist. Sie hat sich zu einer anschmiegsamen Hauskatze entwickelt, die viel schläft und schmust, am liebsten mit dem Hausherren - den liebt sie so sehr, dass sie ihm die Füße abschleckt, den Motor seines Autos kennt, rausgeht und ihn freudig begrüßt, wenn er nach hause kommt.

Mit ihrem Sohn Kimo hat sie sich arrangiert. Sie ist die Hausherrin, er akzeptiert das - nun schlafen sie auch im gleichen Zimmer, sind oft zusammen aber immer mit einer gewissen Distanz.

 

© 1998 Veronika Schneider