Ferienaufenthalt in Cuba 2004

Ferienaufenthalt in Cuba 2004

 

Wehmütige Rückblende über schöne, glückliche, schmerzliche und auch unangenehme Erinnerungen

 

Die Ankunft in Varadero war wie all die anderen Ferienaufenthalte gleich. Wunderbares warmes Wetter, feuchte warme Luft die das Atmen leicht macht und schon hatte ich vergessen wie kalt und „gruslig“ das Wetter in der Schweiz beim Abflug war.

 

Das erste war natürlich der obligate Spaziergang durch die gesamte Hotel-Anlage, der erste Mojito, das erste Cerveza (Bier) und natürliche das Z’nachtbuffet. Gemütlichkeit war angesagt. Die Vorfreude auf den obligaten ersten Morgenspaziergang entlang des Meeres, das spüren des Sandes zwischen den Zehen, das warme Wasser, das rauschen der Wellen, die ersten Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne und das Hallo sagen den Nachtwächtern die auf ihre Ablösung warten.

 

Ich hatte mir vorgenommen jeden Tag in den Spanischkurs zu gehen und jeden Tag da wir anwesend sind die Wassergymnastik zu besuchen. All dies habe ich getan und es hat unglaublich Spass gemacht.

 

Dayron der Spanischlehrer

 

Mein Spanischlehrer war – ist sehr jung. Er heisst Dayron er spricht und schreibt Spanisch, Englisch, Französisch und schon sehr gut Deutsch. Mit unglaublicher Energie und viel Humor versucht er den Kursbesuchern das Spanische zu lernen. Ich hatte Glück, die ersten drei Tage war ich ganz alleine mit meinem Spanischlehrer, da konnte ich ziemlich viel profitieren. Das erlernen einer Sprache beruhte auf Gegenseitigkeit, denn der Lehrer Dayron profitierte von meinem Deutsch genauso viel wie ich von der spanischen Sprache.

Die Schüler die dieser junge Lehrer zu betreuen hat, sind nicht immer Angenehm und das umdenken von Englisch, Französisch, Deutsch ist wohl auch schwierig. Wenn dann noch Frauen und Männer angeblich spanisch lernen möchten und dem jungen Lehrer immer dreinreden, untereinander schwatzen, statt zuzuhören, dann wird das sehr schwierig. Zweimal musste ich mich beherrschen zu schweigen, denn diese Leute die nur den Unterricht störten mit ihrem Geschwätz, regten mich auf.

Dayron versuchte jeweils mit viel Gefühl und Humor solche Situationen zu überbrücken.

 

Negative und positive Erinnerungen und Erlebnisse

 

Zuerst das Negative

Negativ aufgefallen sind in allen Ferien, die mein Mann und ich in Cuba verbrachten, die Kanadier wenn sie in Gruppen zusammen waren. In diesen Ferien 2004 war das besonders schlimm. Die Kanadier soffen wie Kühe Wasser trinken, besetzten den ganzen Tag die Jazzukis (Sprudelbad), rauchten in denselben, vergossen ihre Drinks ins Wasser, ich bin sicher die pissten auch da rein, weil sie zu faul waren um auf die Toilette zu gehen. Die meisten der Kanadier hatten immer so grosse Becher mit Deckel dabei und ließen sie bei der Bar mit jeglichen Drinks auffüllen. Das war wirklich sehr abstoßend, wenn die dann immerzu besoffen Leute und die Bedientesten antratschten und zu befummeln versuchten. Als ich einen dieser besoffenen Kerle abwimmelte, jammerte er seiner dazugekommenen Frau vor, ich sei eine die Kanadier gar nicht gern habe. Ich habe nun oft erlebt wie unanständig und blöd sich die Kanadier im Urlaub verhalten wenn sie in Gruppen zusammen sind; da muss ich sagen, dass ich sie auf diese Weise überhaupt nicht mag.

Für die Cubaner muss das manchmal sehr schwer sein, immerzu nur Lächeln, selbst dann wenn die Gäste sich total daneben benehmen.

 

Negatives Essensverhalten

Die Gäste bedienen sich am Buffet selber, füllen ihre Teller selber mit dem Essen auf.

Es ist unglaublich was die dann alles wegwerfen lassen.

Ein Teller wird mit Salaten aufgefüllt. Am Tisch wird kaum die Hälfte gegessen, dann holen sie einen neuen Teller, füllen ihn mit Fleisch, Reis, usw., essen kaum die Hälfte und holen sich etwas neues. Die kubanischen Betreuer/innen die dann abräumen, müssen unglaubliche Mengen an Esswaren wegwerfen.

 

Teller-t

 

 

 

Es ist eine traurige Wahrheit was da alles weggeworfen wird.

 

 

 

 

 

Immerzu Lächeln, ja nicht zeigen, wie traurig solches Verhalten der feinen Gäste sie macht. Zuhause bei Verwandten und Bekannten, überhaupt bei der kubanischen Bevölkerung herrscht oft Not, es ist für sie oft schwierig Lebensmittel zu erhalten – dann müssen sie zusehen wie die Gäste sich wie Schweine benehmen. Ich habe mich oft geschämt für das Benehmen vieler „Gäste“.

 

Positive, zufriedene und glückliche Erlebnisse

 

Das richtige nicht touristische Cuba ein klein wenig kennen lernen

Seit 1999 habe ich eine kubanische Freundin, die ich über das Internet gesucht und gefunden habe. Ich suchte den Kontakt extra mit jemandem der nicht mit Touristen in Kontakt ist, weil ich weiß, dass diese Leute es schwerer haben.

Das heisst, ein Zimmermädchen in einem Touristenort, hat es leichter, denn ab und zu schenken die Gäste den Touristik Betreuer/innen etwas. Das kann Seife, Kleider, Schuhe, Schreibwaren usw. sein.

Ich machte mich also daran meine Freundin Mayra das erste mal zu besuchen. Das organisieren dieses Besuches war nicht einfach. Ich wollte ihr eine E-Mail schicken, dass ich nun da sei und vorschlagen, dass wir sie an einem Sonntag besuchen möchten. Ich rechnete nicht damit, dass die Computer, die der Öffentlichkeit, (den zahlenden Gästen) zur Verfügung stehen, so unglaubliche veraltet und langsam sind. Zum Glück fand ich dann ein Internetcafe, das Computer hatte die etwas moderner aussahen. Dort versuchte ich mein Glück nochmals und nach langem Warten (bis die gewünschte Internetseite wo ich mein E-Mailkonto habe) konnte ich Mayra endlich schreiben.

Ich machte eine Zeit ab wann ich ihr telefonieren würde und dass sie jemanden in der Zwischenzeit organisiert der mich und meinen Mann abholt zu ihr bringt und dann auch wieder ins Hotel zurück.

Pünktlich läutete das Telefon in unserem Hotelzimmer. Wir vereinbarten den Fahrtpreis, den Tag und die Zeit.

 

Kubanische Zeit ist nicht Schweizerzeit

 

Wir waren ja darauf gefasst, dass die kubanische Zeit etwas langsamer ist als bei uns. Als wir aber bereits schon fast 40 Minuten auf unseren Chauffeur warteten wurde ich dann doch etwas nervös. Mein Mann lachte nur und meinte der werde schon kommen. Als wir den weissen Fiat erblickten und der Fahrer sich erkundigte ob wir die Swissas seien die nach Havanna wollen, war ich wirklich froh. Unser Fahrer, nennen wir ihn Pedro, hatte seine Freundin bei sich. Er konnte weder Englisch, Französisch noch Deutsch. Ich hatte zum Glück mein Spanischbüchlein bei mir, so konnten wir uns trotzdem ein wenig unterhalten. Ich profitierte schon ein wenig vom Spanischunterricht. Da der Weg nach Havanna 150 Km ist machten wir ab und zu eine Pause. (Hin und zurück sind es 300 Km)

 

Ich habe mein Bild gefunden

 

Gilberto Brito – kubanischer Bildermaler

Da begegneten wir Gilberto Brito, das ist ein bekannter kubanischer Bildermaler

Mein Mann und ich betrachteten verschiedene Bilder, aber bei keinem machte es „klick“. Da entdeckten wir den Maler bei seiner Staffel. Dort war ein Bild in den Grundfarben blau, mein Mann und ich schauten uns an und wir wussten sofort, das oder keines. Der Maler Brito wollte uns partout ein anderes Bild verkaufen. Bestimmt sagten wir nein, wir wollen unbedingt das Blaue und kein anderes. Er meinte es sei noch nicht fertig und für jemand anderes bestimmt. Wir überzeugten ihn aber, dass wir genau die richtigen neuen Besitzer gerade dieses Bildes seien. Ich musste einen bestimmten Preis anzahlen und er sagte, dass wir ihm halt vertrauen müssen. Er werde das Bild fertig malen, die nötige Ausfuhrbewilligung einholen und uns das Bild vor unserer Abreise bringen. Schnell habe ich noch ein Photo gemacht vom Maler Brito mit meinem noch nicht fertigen Bild. Das Vertrauen in ihn, den Bildermaler hat sich gelohnt. Das Bild ist nun bei uns Zuhause in der Schweiz und erfreut uns jeden Tag, jedenfalls mich.

 

Brito-t

 

 

 

Dieses Bild ist nun bei uns Zuhause

 

 

 

 

 

 

Wären wir nicht unterwegs gewesen um meine Freundin Mayra zu besuchen, dann hätten wir diesen Maler und dieses Bild nie gefunden.

 

Ankunft bei Mayra

 

Zielsicher chauffierte uns unser kubanischer Fahrer der Adresse Mayra’s entgegen.

Sobald wir uns nicht mehr auf der Hauptstrasse befanden, näherten wir uns nun dem richtigen Cuba, dem Cuba ohne Touristen. Die Strassen hatten mehr Löcher als Asphalt und der Fahrer musste geschickt auswählen ob er nun links oder rechts von solchen Löchern fahren wollte. Da Sonntag war hatte es überall viele Kinder und Jugendliche die zusammen spielten oder schwatzten. Dann waren wir da, bei der Adresse von Mayra.

Die Begrüßung war herzlich, aber auch etwas scheu, denn bis anhin kannten wir uns ja nur vom Schreiben und von den Fotos die wir ausgetauscht hatten. Wir verständigten uns in Englisch und von meinen paar Spanischwörtern die ich gelernt hatte. Mayra und ihre Tochter Yamile haben uns ein gutes kubanisches Mittagessen gekocht. Nachdem wir gegessen und geplaudert hatten, fragte mich Mayra ob sie nun die Geschenke anschauen dürfe. Ich habe Seife, Toilettenartikel, Kleider, Schuhe, Schreibwaren, Medizinalsalben, Vitamine etc. mitgebracht. Ich weiß ja genau was in Cuba Mangelware ist. Mayra und Yamile’s Freude war auch für mich ein Geschenk, denn es ist schön wenn man sieht, dass es Leute gibt die ob dieser einfachen Sachen die bei uns selbstverständlich sind, sich so sehr freuen können.

 

Aussicht-t

 

 

 

Dieser Ausblick direkt aufs Meer ist von Mayra’s kleinem Balkon fotografiert

 

 

 

 

 

Die Stunden vergingen leider viel zu schnell und wir mussten Mayra und Yamile verlassen. Wer weiß ob wir uns jemals wieder sehen werden. Schreiben werden wir uns sicher weiter und ich werde jedes Jahr ein oder zwei Päckli schicken.

Unser Fahrer Pedro brachte uns wohlbehalten wieder in unser Hotel zurück. Mein Mann schenkte ihm nebst dem abgemachten Fahrerpreis noch ein Schweizer Sackmesser. Pedro bekam ganz glänzende Augen und freute sich sehr.

 

Ausflug mit dem Jeep

 

Unter anderem machten wir dies mal einen Ausflug mit einer kleinen Gruppe, mit fünf Jeep. Wir Touristen durften selber fahren. Im vordersten Jeep chauffierte ein Reiseleiter und im hintersten Jeep fuhr noch ein Mechaniker mit.

In unserem Jeep wechselten mein Mann und ein Kollege sich immer ab. Sie genossen es selber fahren zu dürfen. Fahrerisches Können war schon angebracht, denn da wo wir uns aufhielten hatte es mehr Löcher als Strasse. Auf diese Weise begegneten wir auch dem richtigen Cuba. Wir sahen Farmer mit altmodischen Karren wie wir sie aus den Gotthelffilmen kennen. Meistens waren Ochsen an diese Karren angespannt, ganz selten Pferde.

Auf diesem Ausflug habe ich viele T-Shirt, Seife, Schreibzeug etc., verschenken können. Das waren meistens Leute die ganz selten einen Touristen zu Gesicht bekommen.

Das merkt man daran, dass die Beschenkten sehr scheu sind und sich trotzdem sehr freuen.

Dort wo die Touristen oft vorbei kommen merkt man das, denn da stehen die Kinder schon an der Strasse und winken, in der Hoffnung etwas zu erhalten.

 

Mit fast leeren Koffern wieder nach Hause

 

Als ich die Koffer packte, meinte mein Mann „He, wir gehen nur für zwei Wochen in die Ferien, nicht für einen Monat“. Ich gebe es zu, ich reizte jedes Kilo aus, das vom Reiseveranstalter erlaubt war. Die Koffer waren prall gefüllt. Ich wusste aber, dass ich mehr als die Hälfte in Cuba verschenken wollte.

 

Es ist Zeit um nach Hause zu gehen

 

Für meinen Mann sind zwei Wochen gerade richtig, für mich ist es zu kurz. Ich finde, gerade wenn ich mich so richtig anklimatisiert habe geht es schon wieder ab nach Hause. Die Aussicht darauf wollte mich dieses mal nicht so recht freuen, denn in der Schweiz seien die Temperaturen tief und das Wetter unangenehm und grau. In Cuba hatten wir immer so zwischen 24 – 30 Grad warm. In der Schweiz zur gleichen Zeit herrschte das Winterwetter.

Als wir dann aber die Türe zu unserer Wohnung öffneten war es doch schön wieder Zuhause zu sein. Wir wurden auch von unseren Stubentigern (Katzen) freudig begrüßt.

 

Werde ich wohl Cuba jemals wieder sehen?

Vielleicht ja vielleicht nein, ich weiß es nicht. Jedenfalls die schönen Erinnerungen werden mich immer begleiten.

 

© Copyright 2004 by Veronika Schneider